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"Wer in einen tropischen Wirbelsturm gerät, muß zwölf Stunden oder auch länger darin aushalten, bis das Inferno vorübergezogen ist. Die meisten Wirbelstürme leben fünf bis zehn Tage. Glücklicherweise verlieren die tropischen Wirbelstürme im allgemeinen, sobald sie an Land gegangen sind, schnell ihre verheerende Wirkung, weil dann der Nachschub an Energie nicht mehr funktioniert. Aber von dieser Regel gibt es erstaunliche Ausnahmen. Der Hurrikan "Camille" wanderte, nachdem er das Küstengebiet von Mississippi verwüstet hatte, noch 1800 km über Land."
Wie der Autor selbst beschreibt, lebt der Wirbel davon, daß ihm Energie in Form von Wasserdampf zugeführt wird. Fehlt ihm diese Zufuhr, ist sein Ende vorprogrammiert, aber er besitzt immer noch eine gewisse Trägheit, die seinen Bewegungsablauf stabilisiert. Das bedeutet, daß beim Erreichen einer Landmasse zwar eine dramatische Reduzierung an Wasserdampfzufuhr stattfindet, aber immer noch genügend Luftfeuchtigkeit zur Verfügung steht, um als Energieträger zu dienen. In tropischen Gebieten erreicht die Luftfeuchtigkeit mehr als 90 Prozent, in gemäßigten Zonen immer noch 50 Prozent, und selbst in Wüstengebieten sind noch 30 Prozent Luftfeuchtigkeit vorhanden. Diese Mengen reichen natürlich aus, um einem MW noch für eine gewisse Zeit Nachschub zu liefern. War er beim Erreichen der Landmasse bereits groß genug, so hat er natürlich einen längeren "Bremsweg", im Falle "Camille" eben 1800 Kilometer. Dabei werden seine Randbedingungen mit jedem Meter schlechter, bis seine Eigen-Stabilität klein genug geworden ist, daß von außen angreifende Störungen größer sind als seine kinetische Energie: Er bricht zusammen. Ähnliches gilt für Wirbel, die über das Meer wandern und keine Landmasse erreichen, aber immer kältere Gebiete. Der GEO-Autor fährt fort:
"Ein Wirbelsturm hingegen, der draußen auf dem Meer bleibt oder - nach kurzem Landgang - dorthin zurückkehrt, kann weit kommen. Da das Meer nach Norden zu kühler wird, schlafft zwar auch er allmählich ab. Doch mancher Hurrikan gelangt bis nach Europa - als normales Tiefdruckgebiet, das Regen bringt. Und Reste einstiger Hurrikans sind zuweilen noch über Sibirien nachzuweisen. Der Hurrikan, der zum atlantischen Tief geworden ist, hat jedoch nicht nur seine Zerstörungskraft verloren, sondern auch sein typisches Kennzeichen: das Auge. Es hat einen Durchmesser von 10 bis 40 Kilometern, in manchen Taifunen sogar bis 100 Kilometer.
Für jeden Seefahrer ist das Erlebnis unvergeßlich, wenn sein Schiff aus dem Orkan in das nahezu kreisrunde Zentrum eines tropischen Wirbelsturms gerät: Plötzlich herrscht absolute Stille."
Daß der Hurrikan beim Erreichen nördlicher Breitengrade an Energie verliert, ist auch und gerade an seinem fehlenden "Auge" zu erkennen. Das Auge selbst ist Indiz für hohe Drehgeschwindigkeiten des umlaufenden Windes, wobei die Kondensation nahezu schlagartig einsetzt, wenn auch der Vorgang im Molekül vom Start an eher als kontinuierlich anzusehen ist.
Unterschreitet die Wirbelgeschwindigkeit ein bestimmtes Minimum, steigt die angereicherte Luft im Zentrum des Wirbels direkt nach oben, wobei der Wasserdampf nun Gelegenheit hat, im geometrischen Zentrum zu kondensieren. Von oben betrachtet, ist das Auge des Wirbels durch Wolkenbildung geschlossen, dennoch ist es als Wirbelzentrum solange vorhanden, bis keine Rotation mehr stattfindet.
Ein einfaches Experiment müßte beweisen, welche Strömungsverhältnisse im Auge eines meteorologischen Wirbels herrschen. Ein Wetterballon müßte mit einem GPS ausgestattet sein, das seine Koordinaten im Minutentakt an eine Station sendet. Meine Wette gilt, daß die übertragenen Daten eine Wirbelbahn beschreiben und nicht einfach senkrecht aufsteigende Luft. Mit einem Barometer würden die Meßwerte ergänzt.
"In seiner Erzählung "Taifun" hat Josef Conrad das Erlebnis beschrieben. "Nach dem Flüstertone ihres vorherigen Schreiens" erschien den Männern an Bord der "Nan-Shan" ihr "gewöhnlicher Gesprächston in der verwunderlichen Stille der Luft auffällig laut. Es kam ihnen vor, als sprächen sie in einem dunklen Gewölbe mit lautem Widerhall. Durch eine zackige Öffnung des Wolkendomes fiel das Licht einiger weniger Sterne auf das unruhig auf und nieder wogende, schwarze Meer... Schwerfällig wälzte sich die Nan-Shan in der Tiefe einer kreisförmigen Zisterne von Wolken, die in tollem Tanze um ihren unbewegten Mittelpunkt jagten und das Schiff wie ein lückenloser düsterer Wall umgaben. Drinnen hob sich die See, wie von innerer Unruhe gestachelt, in spitzigen Kegeln, die aneinander anrannten und heftig an die Seiten des Schiffes schlugen; und leise Seufzerlaute - die ungestillte Klage des Sturms - kamen von jenseits der Grenze des unheimlichen Windstille."
Nicht nur der Sturm stoppt im Auge abrupt, sondern auch der Regen. Die Temperatur steigt, oft um acht bis zehn Grad. Und die eben noch tiefhängenden Wolken, dicht und düster, sind ausgetauscht gegen helles, lockeres Gewölk hoch am Himmel. Nicht nur für die Schiffsbesatzungen ist das Auge des Wirbelsturms eine Oase. Mitunter lassen sich Schwärme von Vögeln und Insekten auf dem Schiff nieder, völlig erschöpft vom Kampf mit dem Sturm. Ornithologen beobachteten an der US-Küste in den Augen von Hurrikans zahlreiche Vogelarten, die aus der Karibik stammen: Der Sturm hatte sie auf der rasenden Spiralbahn ins Hurrikan-Zentrum getrieben.
Im Auge des Hurrikans herrscht häufig ungewöhnlich niedriger Luftdruck. Wenn in unseren Breiten ein Tief ein Hoch verdrängt, sinkt der Luftdruck nur wenig: von 1025 auf 985 Millibar. In Wirbelstürmen fällt er zuweilen bis auf 900 Millibar. Und einen Rekord gab es im August 1927: 886 Millibar wurden in einem Taifun im Pazifik, 700 Kilometer östlich der Phillippinen-Insel Luzon, gemessen.
Genauso erstaunlich ist, in welch kurzer Zeit der Luftdruck sinken kann: Einmal waren es in fünf Minuten 16 Millibar - man konnte das Barometer buchstäblich fallen sehen. Mit dem niedrigen Luftdruck und den hohen Temperaturen im Zentrum der tropischen Wirbelstürme hängt auch deren ungeheure Kraft zusammen. Die Wetterforscher können erklären, woher diese Energie stammt. Aber wie sie in den Taifunen, den Hurrikans und Zyklonen zu so geballter Stärke konzentriert wird, ist noch keineswegs endgültig geklärt."
In den letzten Ausführungen werden Ursache und Wirkung so miteinander in Beziehung gesetzt, daß sie beinahe automatisch vertauscht werden und damit ein wirkungsvoller Ansatz für die Erklärung der beobachteten Phänomene verhindert wird. Nicht der niedrige Luftdruck ist (eine) Ursache für die Kraft eines MW. Er ist vielmehr eine Startvoraussetzung für das Entstehen eines MW. Sodann sinkt der Luftdruck weiter, weil der MW bereits arbeitet und sich selbst verstärkt (s.o.). Dabei sinkt der Luftdruck weiter... u.s.f. Das rapide Abfallen erklärt sich durch einen Querschnitt durch den MW. Betrachtet man die Prinzipzeichnung des GEO-Autors, so ergibt sich von selbst ein Luftdruckfeld, das im Zentrum des MW an der Meeresoberfläche am niedrigsten ist und zum Rande des MW wieder ansteigt. Exakte Messungen bestätigen das.
"Dabei sind die Forscher, die in die Geheimnisse der tropischen Wirbelstürme eindringen wollen, noch gut dran, verglichen mit den Tornado-Experten. Deren Forschungsobjekte, die vom Himmel hängenden und höchst gewalttätigen Wirbelschläuche, treten zwar weitaus häufiger auf als die rotierenden Teufelsräder der Hurrikans, Taifune, Zyklone. Aber wann und wo sich ein Rüssel zu Boden senkt, ist nicht vorherzusehen. Einer der führenden Tornado-Forscher in den USA, der 58-jährige Professor Theodore Fujita an der Universität von Chicago, hat noch niemals einen Tornado live zu Gesicht bekommen."
Man faßt es kaum! Ausgerechnet ein führender Wissenschaftler hat das Objekt seiner Untersuchung nie zu Gesicht bekommen. Nicht ohne Grund sind Ärzte bei Ferndiagnosen sehr vorsichtig, und ausgerechnet bei einem so wichtigen Forschungsgebiet entscheidet sich ein Wissenschaftler, spekulativ an die Arbeit zu gehen. Das beweist, welch großen Abstand der Rest der Forschungsgemeinde von diesem Thema einhält. Das beweist weiter, welchen Abstand die mit dieser Forschung beschäftigten Wissenschaftler von ihrem eigenen Forschungsgebiet haben. Das beweist weiter, wie sehr dieses Gebiet psychologisch besetzt ist.
Würde sich nämlich unser Professor einmal die Zeit nehmen, die Dinge vor Ort zunächst einmal nur zu betrachten, dann würde er erstaunliche Dinge bemerken. Wirbel enstehen an jeder Straßenecke. Sie enstehen hinter jedem fahrenden Fahrzeug, bei jedem startenden oder landenden Flugzeug als Wirbelschleppen. Nun kommt sicher der Einwand, ein Wirbel sei noch kein Tornado, was aber genau so gewertet werden muß wie die Feststellung, daß ein Tiefdruckgebiet noch kein Hurrikan ist. Es ist aber aus einem hervorgegangen! Sie sind also prinzipiell dasselbe, unterscheiden sich aber in ihrer Energie.
Nächster Irrtum: Die Tatsache, daß man eine Wirkung nicht immer vom Ursprung an beobachten kann, beweist nicht, daß
die Wirkung noch nicht vorhanden ist. Die Forschung vermutet, daß sich ein Tornadorüssel aus einer Wolke zum Boden
hin bildet. Die Sogwirkung erfolgt aber vom Boden (Überdruck) zur Wolke (Unterdruck). Welch ein
innerer Widerspruch!
Dabei ist es so einfach zu erklären. Der Tornado ist ein auf extrem kleine Dimensionen
beschränkter MW, der sich zunächst unsichtbar entwickelt, und zwar über weiten Ebenen, die seinem Anwachsen keinen
Widerstand bieten können. Eine Gewitterlage ist beinahe zwingend notwendig, weil nur bei einer solchen Überentwicklung
Dampfmassen im entsprechenden Umfang in große Höhen transportiert werden.
Ist der Wirbel entstanden, transportiert er Luftfeuchtigkeit schnell bis zur Wolkenbasis. Erst kurz davor reicht die
Drehgeschwindigkeit und die Feuchtigkeitsmenge aus, um sichtbar zu kondensieren. (Der Schlauch bildet sich aus der
Wolke...) Nunmehr ist die Kraft des Wirbels groß genug, um auch andere Dinge aufzunehmen und zu transportieren.
Es bildet sich eine Verbindung von sichtbarem Kondensat mit aufgenommenem Staub. Der Tornadoschlauch ist perfekt.
Das aber sind nur die sichbaren Folgen eines schon bekannten Vorgangs: dem der meteorologischen Wirbelbildung.
Zu untersuchen bleiben die quantitativen Aspekte ein und derselben Sache unter verschiedenen Randbedingungen,
wenn sie denn nicht schon irgendwo stattgefunden haben in irgendeinem Labor, ohne daß man vielleicht einen Bezug
zu den o.g. Erscheinungen hergestellt hat. Oft hat man ja die Lösung vor Augen und sieht sie nicht.
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